Von Kindesbeinen an…

Das hier wird sozusagen eine Art…. Biographie? Mein Leben rekonstruieren. Nur dieses Mal mit dem Wissen um meine Diagnose? Eine Analyse…
So genau weiß ich es auch nicht. Mein Leben ist geprägt von Nichtigkeit. Von dem Gefühl, nicht zu existieren. Vielleicht will ich also einfach einen Beweis meiner Existenz in die Weiten des Internets werfen. Einfach um zu sagen… vergesst mich nicht. ¯\_(ツ)_/¯


Natürlich, war ich von Anfang an seltsam. Man wird ja schließlich so geboren. Okay, zugegeben, ich kann mich natürlich nicht an meine Säuglingszeit erinnern und selbst meine frühe Kindheit ist stark verschwommen. Wenn ich darüber nachdenke, tauchen nur vage Fetzen auf. Ich glaube, ich habe Vieles einfach verdrängt. Oder gar nicht erst abgespeichert?

Ich weiß, dass ich immer schon in Fantasiewelten gelebt hatte. Es gab für mich nichts tolleres, als mir einen Stock zu schnappen und gegen Monster zu kämpfen. Auf einer Schaukel so hoch wie möglich zu schwingen, die Arme auszustrecken und einfach… fortzufliegen. In Gedanken natürlich. Zum Abspringen war ich immer zu feige. Die Lücke hinter dem Wickeltisch meines kleinen Bruders war meine Bathöhle, fünf, sechs zusammengesteckte Regenschirme mein Zelt, Stöcke und Tannenzapfen dienten mir als Waffen gegen alles Böse, eine Sammlung an Kuscheltieren waren meine treuen Gefährten, die mit mir durch Dick und Dünn und in jedes Abenteuer folgten. Mein Leben hing davon ab, ob eine Murmel ein Loch im Sand treffen konnte, ob mein Fuß die Lücke zwischen den Sofas traf und ähnliches.

Wenn ich so zurückdenke, muss ich feststellen, dass ich als Kind eine sehr seltsame Faszination für den Tod hegte. Meine Spiele beinhalteten sehr oft mich am seidenen Faden, an der Schwelle zwischen Sein und Verschwinden, schwer verwundet oder vergiftet. Es waren keine Suizidgedanken dabei. Nur eben eine sehr seltsame Faszination, die zum Teil bis heute geblieben ist.

Eine ältere Schwester hatte ich übrigens auch. Es ist seltsam, wenn ich zurückdenke. Sie war natürlich immer da, aber ich glaube, ich habe sie nie wirklich wahrgenommen. Meine Welt hatte nie andere Menschen beinhaltet. Sie war da, an meiner Seite, wie ein Teil von mir. Ich glaube, wirklich begriffen, dass sie eine eigenständige Identität ist, habe ich erst, als wir uns in der Pubertät sehr stark auseinander entwickelt hatten. In meinen Erinnerungen sehe ich immer nur mich selbst, aber ich spüre ihre Gegenwart. Und bis heute ist sie mir eine enorm wichtige Person.

Mein kleiner Bruder kam 4 Jahre nach mir. Ich erinnere mich kaum an diese Zeit. Er war immer das Nesthäkchen der Familie und der einzige, dem die drastischsten „Traditionen“ erspart blieben. Die ersten paar Jahre habe ich ihn nicht wirklich gemocht. Wir bekamen tonnenweise Ärger wegen ihm und mussten immer sehr penibel darauf achten, dass ihm auch ja nichts zustößt. Und uns außerdem viel um ihn kümmern, ihn bespaßen, etc. Ich weiß nicht, ob das nur mir so lästig vorkam. Ich wollte halt in meiner eigenen Welt leben und er war wie ein Eindringling.
Natürlich kann er nichts dafür. Aber als Kind denkt man darüber nicht nach. Heute habe ich eine sehr gute Beziehung zu ihm und wir sind uns sogar recht ähnlich.

Fortsetzung folgt…

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3 Gedanken zu „Von Kindesbeinen an…

  1. Sehr interessant! Bei uns in der Familie sind die Autisten auch durchaus fantasiebegabt leben das auch aus, auch im Rollenspiel wie von dir beschrieben, obwohl man uns ja gerne nachsagt, wir könnten das nicht. Dazu findest du bei mir sogar auch schon einen älteren Artikel im Blog.

    Meine persönliche Faszination ist weniger mit dem Tod an sich, sondern mit allem, was man am menschlichen Körper so zerstören kann. Auch das würde ich niemals aktiv ausprobieren, aber das Konzept, die Theorie dahinter… Sowohl das Zerstören als auch das Wieder-Zusammenbasteln. Zweiteres dann doch gerne auch in der praktischer ausgerichteten Variante (Hätte ich zwei vernünftig funktionierende Hände, hätte mir Traumachirurgie als Berufsziel durchaus zugesagt). Tod an sich finde ich eher langweilig… Da ist ja nichts mehr los.

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    1. Die Fantasie fehlt eher in anderen Bereichen. Gerade bei menschlichem Zwischenspiel. Ansonsten ist das schon beinahe *zu* ausgeprägt in unserer viel zu auf Realität fokussierten Welt. 😀

      Meine Faszination ist da eher spiritueller Natur. Die Neugier, was dort auf der anderen Seite wohl sein mag. Aber auch dieser „Zustand“ zwischen leben und nicht leben. Keine Ahnung, was mich daran so fasziniert und wie ich da gerade als Kind überhaupt drauf kam. Aber so ist das ja mit Faszinationen.

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      1. Wir spielen ja gerne historische Begebenheiten nach, gerne so mit einigen 100 – einigen 1000 Personen am Originalschauplatz… Anfang 19. Jahrhundert, Napoleon… Da kann man sich schön ausleben. Ich bin – wie sollte es anders sein – Feldchirurg

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